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Jetzt, wo er wieder zurück war, war es beinahe so, als wäre er niemals fort gewesen. »Er kommt«, flüsterte Travis Wilder, als er aus der Tür des Mine Shaft Saloons trat. Er beugte sich über das Geländer des hölzernen Gehsteigs und hielt das Gesicht nach Westen, auf die felsige Pyramide zu, die sich wie ein Wächter über die kleine Stadt in den Bergen erhob. Der Castle Peak. Oder das, was er als Castle Peak bezeichnete, denn im Laufe der Jahre hatte der Berggipfel viele Namen getragen. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten ihn die Arbeiter aus den Silberminen Ladyspur’s Peak genannt, nach der Lady mit den Sporen, zu Ehren einer allseits beliebten Nutte. Der örtlichen Legende zufolge hatte ein Revolverheld aus Cripple Creak Ladyspur nicht für ihre Dienste bezahlen können, und sie erschoß ihn in einem fairen Duell mitten auf der Elk Street. Sie selbst starb kurz darauf an Cholera und wurde so beerdigt, wie sie gelebt und gearbeitet hatte: mit den Sporen an ihren hochschaftigen Stiefeln. Davor hatte der Berg auf in St. Louis hergestellten Landkarten – phantasievoll übertriebene Dokumente, die die Träumer über die grüne Prärie herbeilocken sollten – Argo Mountain geheißen, obwohl das einzige Gold, das jemals auf dem Castle Peak gefunden worden war, aus dem warmen Licht des Sonnenauf- und Sonnenuntergangs bestand. Kurz vor dem Goldrausch von 1859 war ein paar Jahre lang der Name Mount Jeffrey im Gespräch gewesen, ein Name, den der Berg mit einem unbedeutenden Mitglied der Long-Expedition von 1820 geteilt hatte – ein Lieutenant, der eines Nachmittags mit einer Flasche Whiskey auf den Gipfel geklettert war. Als Lieutenant Schuyler P. Jeffrey fünf Jahre später in einem Mietshaus in Washington D.C. an einer Blutvergiftung starb, hatten sich sein Name und der Berg schon längst wieder getrennt. Obwohl die leere Whiskeyflasche, die er weggeschmissen hatte, noch immer da lag. Die Indianer vom Stamm der Ute, die von den bewaldeten Hügeln aus zugesehen hatten, wie Longs Leute das Tal durchquerten, hatten ihren eigenen Namen für den Berg: Umwölkte Stirn, wegen des Nebels, der oft den Gipfel verhüllte. Falls jedoch die Menschen, die vor den Ute dort gelebt hatten, dem Berg einen Namen verliehen hatten, war er mit ihnen verschwunden. Und davor … hatte es keine Namen gegeben. Ein Berg. Viele Namen. Schließlich hatten der steile Berg und die Stadt beide den Namen von Mr. Simon Castle angenommen, der im Osten sein Vermögen als Verleger begründet hatte und mit dem Traum nach Westen gekommen war, hier ein großartiges neues Königreich zu gründen. Er baute das Silver Palace Hotel und das Opernhaus, um acht Jahre später nach Philadelphia zurückzukehren, nachdem seine Frau an Tuberkulose gestorben und sein Herrenhaus außerhalb der Stadt vom Blitz getroffen worden und bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. Castle Peak. Der Name paßte, zumindest für den Augenblick, so lange, bis ein neuer Name daherkam. Und danach, wenn es wieder keine Menschen mehr geben würde und das Tal allein träumte, würde er nur wieder einfach der Berg sein. Travis ergriff das Geländer. Er schloß die blauen Augen hinter der Nickelbrille, als er es sich vorstellte: Hoch oben auf dem Steilhang sprossen die ersten Espen, wisperten sich Blätter silbergrüne Geheimnisse zu, dann ertönte nur Augenblicke später das leise Dröhnen, wenn der Canyon sich räusperte und sich die Kiefern in einem anmutigen Tarantella wiegten. Er kam. Travis wußte auf jeder Welt, wann der Wind nahte. »Ich wußte, daß du zurückkommst«, hatte Max an jenem weißen Januartag gesagt, als Travis noch immer mit den von den Reisen abgenutzten Kleidern einer anderen Welt bekleidet den Mine Shaft betreten hatte. Es war am Morgen gewesen, und der Saloon war bis auf die beiden Männer leer. »Ich wußte es, Travis, obwohl … obwohl Jace sagte, du wärst zusammen mit Jack in dem Feuer gestorben. Ich habe alles für dich weitergeführt – die Bar, die Hypothek, die Bücher…« Max’ Worte waren irgendwo in seiner Brust erstorben, aber das war schon in Ordnung. »Es sieht großartig aus«, hatte Travis gesagt, als er seinen Freund umarmte. »Alles sieht großartig aus.« So war Travis nach Hause gekommen. Die folgenden Tage waren seltsam und zerbrechlich gewesen. In gewisser Weise fühlte er sich genauso fehl am Platz wie auf Eldh, wo er in Begleitung von Falken Schwarzhand gereist war.

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